Geburt einer Mutter

Mein Weg zum Mutter-sein.

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Meine Hebamme hat mir bei meinem ersten Kind geraten, ich solle mich doch, wenn ich schon auf der Couch bin obwohl ich mich noch im Wochenbett befinde, zumindest hinlegen. Mir fiel das damals so schwer. Ins Bett hätt ich es nie geschafft und ständig hatte ich den Drang das Haus zu putzen, Dinge auf zu räumen und ich war an genervt weil mein Baby nicht zwei Stunden am Stück schlief, damit ich doch endlich putzen könnte. Die erste Zeit mit meinem Kind erlebte ich mehr als „Job“, den als Bereicherung. Mein Sohn hatte Hunger, also stillte ich ihn und später brauchte er eine frische Windel, also legte ich ihm diese an. Wenn er schlief fühlte ich den Druck in mir etwas machen zu müssen. Ich kam nicht auf die Idee, dass ich an ihn gekuschelt einfach eine Runde mit schlafen könnte. Es wurde mir von der Hebamme gesagt und von meinem Mann, aber ich wollte es nicht hören. Ich dachte mir, dass ich doch in der Nacht schlafen kann. Meistens wollte mein Kind jedoch nicht zu der Zeit schlafen wo ich wollte und so befand ich mich schnell in einem Strudel von schlaflosen Nächten und erschöpfenden Tagen.

Es war wie ein Festhalten an etwas was es sowieso nicht mehr gab. Ich konnte mich nur an der Oberfläche auf das Abenteuer „Mama-sein“ einlassen. In die Tiefe wollte und konnte ich zu dem Zeitpunkt nicht gehen.

Bei meiner Tochter, die 14 Monate später zur Welt kam, fühlte ich mich ganz stark, weil ich die erste Woche im Bett verbrachte und meine liebe Hebamme, zwar sitzend, aber zumindest im Bett (wir hatten damals ein großes Matratzen Schlaf Lager auf dem Boden) begrüßte. Aber auch da nahm ich noch immer diesen Druck in mir wahr etwas machen zu müssen. Er war zwar bedeutend weniger spürbar als bei meinem Sohn, doch er war noch immer da.

Zu dieser Zeit lernte ich eine Frau kennen die auch ihr zweites Kind bekam. Sie erzählte mir wie das bei ihrem ersten Kind war. Sie und ihr Partner hatten lange auf die Schwangerschaft und dann auf das Baby gewartet. Als ihre Tochter nach einer schwierigen Geburt zur Welt kam wollte diese die absolute Nähe zu ihrer Mutter. Meine liebe Freundin verbrachte die ersten paar Wochen mit ihrer Tochter stillend auf der Couch. Sie verlor jegliches Zeitgefühl und erfreute sich daran ein Kind zur Welt gebracht zu haben. Diese Erzählung fasziniert mich bis heute und erst dadurch verstand ich was es bedeutet sich wirklich voll und ganz auf das „Mama-sein“ einzulassen. Weder bei meinem ersten noch bei meinem zweiten Kind konnte ich diesen Genuss, wie ihn da meine Freundin beschrieb, leben.

Und jetzt…wenn ich zu Euch nach Hause komme, kurz nachdem ihr euer Kind geboren habt, sehe ich fast immer genau dieses Bild…Ein Haus oder eine Wohnung die in Sauberkeit erstrahlt, eine Frau die ihr Kind liebt, aber Angst hat sich völlig hin zu geben. Diese völlige Hingabe würde einen gewissen Kontrollverlust bedeuten, da es ein Aufgeben des bisher Bekannten bedeutet. Wenn dieses völlige Aufgeben von dem was man war nicht stattfindet, dann konnte ich bisher immer beobachten wie eine gewisse Distanz zwischen Mutter und Kind sichtbar ist.

Ich sehe wie die Frauen ihren „Job“ machen…Füttern, Windel wechseln, usw.

Oft ist die Überforderung spürbar, aber auch genauso oft die Langeweile. Das Baby wird gehalten, es liegt aber nicht in den Armen seiner Mutter. Das Baby wird gestillt, es liegt aber auf dem Stillkissen und nicht auf dem Arm seiner Mutter, der vom Stillkissen unterstützt wird. Das Baby wird getröstet indem der Kinderwagen oder die Babyschale geschunkelt werden und der Schnuller in den Mund gesteckt wird, aber es wird nicht hochgehoben und am Körper der Bezugsperson herum getragen.

Sogenannte Probleme mit dem Kind, lösen sich oft von selbst auf wenn die Mutter und der Vater mit dem Kind und vor allem mit sich selbst „in-Beziehung“ treten.
Warum ist in unserer heutigen Zeit, die Angst sich auf das Mutter-sein wirklich einzulassen, so groß?
Seit ich Mutter bin, habe ich so intensive Wachstumsprozesse die meine Persönlichkeit betreffen erfahren dürfen, wie nie zuvor in meinem Leben.

Ich möchte euch Frauen da draußen ermuntern, dass ihr wieder den Mut findet euch auf das transformierende Wagnis des Mutter-seins einzulassen